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2010-03-16 | Klar zum gendern?

In der Piratenpartei tobt die Genderdebatte als Sturm im Wasserglas. Es begann mit einer Pressemitteilung der »Piratinnen« (Im Namen der Partei, auch von Nicht-Piraten geschrieben), die von taz und Spiegel-online aufgegriffen wurden. Ich war drauf und dran, mich mit den Piratinnen zu sympathisieren. Wenn Frauen sagen, sie wollen die Bezeichnung Piratin für sich, wer wäre ich denn, dem zu widersprechen?

Als Informatiker weiß ich, dass es Frauen in Männerrunden schwer haben, selbst wenn die Männer es gut mit ihnen meinen. Das freudige Trarah um die Tatsache, dass sich mal eine Frau – vielleicht noch eine attraktive – ins Informatikstudium verirrt hat, kann genauso nervern wie abfällige Bemerkungen. Vielleicht sitzt diese Frau einfach nur in der Runde, weil sie mal Bock hat, mit Leuten über Betriebssysteme zu quatschen, denen sie nicht erst erklären muss, was das ist. Das hat für manchen Nerd einen solchen Appeal, dass er es nicht lassen kann, diese Frau als Freundin gewinnen zu wollen. Statt mal richtig über Linux zu lästern oder über Windows zu witzeln, muss sie sich der Annäherungsversuche erwehren. Auch ich musste auch erst lernen, das die Charmoffensive an dieser Stelle auch mal zu Hause bleiben darf.

Nur leider verdirbt einem die weitere Beschäftigung mit den »Piratinnen« die Lust, insbesondere wenn man sich mit den Positionen von Isi befasst. Sie wälzt sich genüsslich in den geistigen Ausfällen, die KrautChan-Pubertierer produzieren, weil sie ja jetzt den Beweis für die Boshaftigkeit der Männer hat. Da geht es doch um etwas Anderes als die korrekte Bezeichnung für weibliche Piraten – da steht die Verteufelung der Männer auf der Agenda. Tut mir leid, mit dem Feinbild Mann ist keine Gleichberechtigung zu machen.

biologisches und grammatikalisches Geschlecht

Dass immer noch so viele das grammatikalische Geschlecht mit dem biologischen verwechseln, will mir auch nicht so recht in den Kopf. Das grammatikalische Geschlecht ist eine Eigenschaft des Wortes. Diese Eigenschaft könnte statt Geschlecht auch Farbe heißen. Rote Worte bekämen den bestimmten Artikel der, blaue das, gelbe die – wäre dann die Diskussion überflüssig? Der Plural wäre Orange, was sogar logisch im Sinne der (subtraktiven) Farbmischung wäre. Ein Plural der Frauen ausschließt, wäre dann violett. Männerausschluss wäre grün.

Dass es der Pirat heißt, liegt einzig und allein daran, dass das Wort »Pirat« nunmal grammatikalisch männlich ist. Das hat rein gar nichts mit dem Geschlecht der Parteimitglieder zu tun. Es gibt ja auch andere Worte mit grammatikalischen Geschlechtern, die nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun haben:

Daraus wollte man ja nun auch nicht Schlussfolgern, Frauen sollten lieber Bahn fahren und Männer eher Bus.

Mein Fazit: die Piraten sind ins Sachen Gleichberechtigung weiter als Andere, schon weil beim Parteieintritt das Geschlecht gar nicht erfasst wird. Ich glaube wir sind auch weiter als die »Piratinnen«. Das heißt natürlich nicht, dass wir am Ziel angelangt sind. Bei uns sind die Fragestellungen nur andere. Gibt es bei piratigen Wahlen vielleicht einen Frauenbonus – ist eine Frau bei den Piraten vielleicht schon automatisch so gut wie gewählt, wenn sie nur auf dem Wahlzettel steht? Wie gehen wir Crews und Kreisverbänden mit den weiblichen Piraten um. Gibt es da Bemerkungen wie »endlich mal ’ne Frau…«?

Also Piraten, haltet die Augen offen und lebt die Gleichberechtigung.