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2010-03-18 | Liebe Isi,

Liebe Menschin, von der ich glaube, dass Du die besagte Isi bist,

Ganz so namenlos bin ich nicht. Schließlich betreibe ich eine Website mit eigener Domain und dazu musste ich meinen Namen bei einer Domainregistratur hinterlegen. Die gibt bereitwillig Auskunft. Du könntest sogar mal auf einen Kaffee vorbeikommen, die Cottbuser Adresse ist da günstig. Netter Permalink übrigens. Da weiß ich wenigstens. was du über mich denkst. :)

Piraten (pl.) == Frauen und Männer (und andere, bitte nicht vergessen!)

Piraten ist geschlechtsneutral – mindestens per definitionem Kraft der Bundessatzung, aber auch weil der Begriff Frauen nicht ausschließt. Ja, er ist Plural des maskulinen »Pirat«. Aber das maskulin bezieht sich eben nur auf den Genus, das grammatikalische Geschlecht. Nichts Anderes wollte ich erklären.

Das Plural „die“ ist übrigens nicht weiblich. Auch nicht männlich. Sondern Plural. Dadurch sind »die« und »die« zwei verschiedene Worte, so wie »Golf« und »Golf«.

Da hast du mir ja schon zugestimmt, dass männliche Bezeichnungen Frauen nicht ausschließen (siehe Bundeskanzler). Du willst das nur für Ämter zulassen, ich sehe das bei Berufen, Mitgliedschaften, Funktionen oder Rollen usw. analog.

Ich werde eine Piratin meist mit „Gisela“ ansprechen, vorausgesetzt, sie heißt so, sehr viel seltener „Piratin Gisela“. Ich sag ja auch nicht „Pirat Uwe“ Sollte es trotzdem mal dazu kommen, macht mir das gar nichts aus. Im Singular die Enzelperson Pirat oder Piratin zu nennen ist doch völlig OK. Das aber zur Pflicht zu machen oder nur die geschlechtsneutrale Standardformulierung zuzulassen, ist Blödsinn. Den wollen die Piraten nicht mitmachen.

Der ganze Innen-Neusprech ist rein ideologisch. Ich will gar nicht bestreiten, dass es Zeiten gab, in denen das notwendig war und auch manchmal noch ist. Es ist ohnhehin inkonsistent und merkwürdig, also erlaube auch bitte die Neusprech-Lücke bei den Piraten. Ich soll Studierende sagen statt Studenten, obwohl beide Plural maskuliner Worte sind. Die Menschin gibt es nicht und uns bedrohen islamische Terroristen, aber scheinbar keine Terroristinnen. Zu Medikamenten befragen wir unseren Arzt oder Apotheker – obwohl ich schon lange nur noch Apothekerinnen sehe. Also liebe Arbeitnehmervertreterinnen und Arbeitnehmervertreter, liebe Arbeitnehmerinnenvertreterinnen und Arbeitnehmerinnenvertreter, ich mag die Piratenpartei.

Wie schön haben es da andere Sprachen wie das Englische. Da haben Nomen keine grammatikalischen Geschlechter und die Piraten sind eben Pirates. I’m a pirat, she’a pirat, he’s a pirat.

Und zu dem Rechtsaußen-Tiefschlag: Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an. Wir sind die Nazi-Nerds. Genau.

Jeder muss die Piraten als neue Bewegung irgendwie in sein Weltbild einordnen. Du hast uns zu deinen Feinden sortiert, wie’s scheint.

MfG

Matthias Ostrowski
2. Vorsitzender des Kreisverbandes Cottbus der Piratenpartei.

PS. Weil’s doch etwas länger wurde, gab’s die Antwort auf deinen Kommentar als neuen Beitrag. Auf deinem Blog ist ja die Kommentarfunktion angeschaltet. Wenn mich die Bernds überrennen, würde ich das vielleicht auch tun.

2009-09-26 | Nazi-Nerds

»Jungle World«– Autorin Elke Wittig verortet die Piraten ganz Rechts. Nun gut, die Piraten erfahren nicht nur Zuspruch, sondern auch einiges an Gegenwind und so mancher vermutet die Piraten da, wo er schon immer seine Gegner gesehen hat. Hinter der »Postideologie« der Piraten, also der Verweigerung gegenüber Links-Rechts-Einordnungen, vermutet sie eine verschleierte braune Gesinnung.

Woher sie nun den Begriff »postideologisch« herhat, kann ich grad nicht nachvollziehen. Der steht nicht im Wahlprogramm, nicht auf der Webseite, nicht im Wiki, selbst im Forum taucht er erst seit kurzer Zeit auf. In zwei Artikeln, von denen sich einer mit dem Kommentar von Frau Wittig beschäftigt und in einem, in dem eine Benutzerin fragt, was dieses »postideologisch« denn nun heißen soll. Aber selbst wenn jemand die Piraten im Forum so genannt hätte, wäre das ja nun kein offizielles Statement. Denn dort steht auf jeder Seite oben in Rot:

Nicht alle Foreneinträge sind politische Aussagen oder Meinungen der Piratenpartei! Dies ist ein öffentliches Forum.

Die Krone setzt sie dem ganzen auf, in dem Sie die Piraten zu »Nazi-Nerds« erklärt. Das ist nach »Pädokriminelle« wohl das Zweitblödeste, dass man den Piraten unterstellen kann. Wer Nerds kennt, weiß, dass Nazi und Nerd etwa so gut zusammen passen wie Riesen und Pony oder minderjährig und Rentner. In Foren und auf Mailinglisten gilt die Erkenntnis: Wenn der Nazivergleich kommt, ist die Diskussion gestorben. Das kann man für den Artikel von Frau Wittig wohl auch so sagen.

Fakeflyer Piraten

Diesen Fake-Flyer kolportiert die Jungle World auch noch. Runenschrift Frakturschrift, Runen, Heil, Junge Freiheit, Bodo Thießen, Kinderporno — alles beisammen und wild zusammengewürfelt, was man den Piraten anlasten kann. So in die rechte Ecke gestellt zu werden, ist schon nicht mehr nur Satire, sondern für mein Empfinden reichlich unterhalb der Gürtellinie. Die meisten anderen Piraten in Brandenburg sehen das etwas entspannter als ich.

Alles in allem scheint die Jungle World einen neuen Lieblingsfeind zu haben. Frei nach dem Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Was kein Apfel ist, ist eine Banane. Steffen Reiche hält uns für Sozialdemokraten, Elke Wittig für Nazis. Nazis halten die Piraten übrigens für Linksextreme. Jeder sieht in den Piraten also in den Piraten eine neue Inkarnation seiner alten Gegner.

PS: Die Ankündigung der britischen TV-Serie IT Crowd auf einem deutschen Fernsehsender betitelt JW mit »Die Computerdeppen«. Man hasst bei der JW die Nerds, wie der Text verrät. Mein Beileid geht an die EDV-Abteilung im Verlag.