Archiv für die Kategorie ‘2cents’

2011-11-05 | Neues vom PRS-T1

Ich hab meinen neuen Ebook-Reader nun eine Woche im intensiven Einsatz. Ich habe bisher genau einmal aufgeladen und der Akku ist heute noch halbvoll – So stell ich mir mobile Geräte vor.

Das Abstürzen hat sich inzwischen drei oder viermal wiederholt. Genauer gesagt stürzt nur die Berührungserkennung ab. Wenn man gerade im Buch liest, kann man einfach mit den Tasten weiterblättern, ist man aber gerade im Browser und will zurück ins Buch, dann hilft nur ein beherzter Reset. Der Fehler tritt beim Blättern per Wischen auf.

Der Store sagt immer noch demnächst verfügbar. Langsam wird’s Zeit, Sony!

Verbesserungswünsche habe ich auch: Statt der drei neuesten Bücher sollte das Gerät auf der Startseite vielleicht die drei letzten Bücher anzeigen. Jetzt muss man sich den Roman aus der langen Liste heraussuchen, wenn man Tagsüber in Manuals gestöbert hat.

Die Bibliothek, also die Darstellung der aufgespielten Ebooks, muss dringend verbessert werden. Man hat praktisch nur eine lange Liste. Filtern nach Autor, Genre usw. sollten das mindeste sein, wenn dann mal 1.000 oder mehr Ebooks auf dem Gerät sind.

Beim Reset könnte das Display reagieren, damit man sieht, dass es geklappt hat. Besser wäre natürlich, wenn kein Reset notwendig wäre.

Ein paar mehr Formate dürften auch gern unterstützt werden. Bis dahin begnüge ich mich mit der Konvertierung von Calibre. Großartige Software übrigens. Legt euch einen Flattr-Button zu!

Und jetzt das Beste: Hüllen sind für das PRS-T1 noch nicht zu vernünftigen Preisen zu bekommen. Deshalb wird jetzt für mich eine extra angefertigt. Wenn sie gut wird, stell ich sie hier vor und starte auch gern einen schwungvollen Handel damit, falls jemand dann Interesse hat.

2011-10-29 | Neues Spielzeug

Ebook-Reader sollen ja dieses Jahr endlich ihren Durchbruch feiern – wie in jedem Jahr seit 199x. Bei mir hat es diesmal jedenfalls geklappt. Nach der IFA wollte ich ein Gerät mit Touch und Wifi haben. Ich habe mir dann schon vor einer Weile den Sony Ebook-Reader PRS-T1 vorbestellt (und auch vorbezahlt). Gestern kam er dann endlich an und ich habe was zum Spielen für’s lange Wochenende. Hier meine ersten Eindrücke.

Die Verpackung ist kaum größer als das Gerät selbst und schnell ausgepackt. Außer einen Micro-USB-Kabel und einem Plastikstift ist kein Zubehör dabei. Das Gehäuse des Geräts ist leicht und fasst sich stabil an. Das Display sieht auf den ersten Blick erschreckend grau aus. Das mag am Kontrast zum rein weißen Rahmen liegen. Vielleicht sieht es bei der schwarzen Variante nicht so aus. Ein Druck auf den Power-Taster unten und das Gerät startet.

Es sind drei Bücher vorinstalliert, „Ballaststoff“ und „Rotkehlchen“ und „Betriebsanleitung“. Lesen muss man wohl keins davon :) Man kommt fix in die Einstellungen, schnell ist auch WLAN eingerichtet. Der Reader-Store meldet allerdings nur „Demnächst verfügbar“. Den PRS-T1 gibt es bald auch bei libri. Ich denke mal, dass der Sony-Store in Deutschaland auch der libri-Store sein wird.

Korrektur! Ganz ohne  Bedienungsanleitung gings dann doch nicht. Um ein Buch in eine Sammlung einzufügen muss man in der Sammlung auf die Kontextmenü-Taste drücken und die entsprechende Option wählen. Ein Button mit einem Plus und einem Buch im Display hätte hier sicher nicht geschadet, gerade wenn die Sammlung noch leer ist. Der eingeblendete Hinweis aufs Handbuch ist eher frustrierend als hilfreich.

Beim Projekt Gutenberg gibt es jede Menge freier Ebooks, also gleich mal ein Paar besorgt und draufgepackt. Lesen macht Spaß und die Umgewöhnung geht fix. Man kann mit den Blätter-Tasten oder per Wischer auf dem Display umblättern. Den Wischer mache ich instinktiv immer falsch herum. Das kann man zwar in den Einstellungen umdrehen, aber ich lasse es so. Ich mach es wahrscheinlich auch dann wieder falsch.

Gestern ist mir das Gerät zum auch gleich ersten mal abgeschmiert, der Touchscreen reagierte gar nicht mehr und das Gerät war so nicht bedienbar. Ein Reset per spitzem Gegenstand war nötig. Hier hat man wohl an der Firmware gepfuscht, um den Markteinführungstermin zu halten. Das System ist übrigens ein Android. Zusätzliche sinnvolle Apps sind also denkbar. Ein RSS-Reader wäre z.B. ein Anfang, das herunterladen von Texten von Laufwerksfreigaben wäre auch nicht schlecht.

Zu den Formaten, die der Reader beherrscht, muss ich später noch was schreiben: Epub, PDF und rtf gehen, die Experience unterscheidet sich aber. Ich muss da noch probieren.

2011-05-18 | Elektromobilität

Elektromobilität ist gerade mal wieder in aller Munde, weil die Kanzlerin Millionen Elektroautos versprochen hat.  Ich habe gerade ein Interview mit einem Greenpeace-Experten gelesen und auch der kriegt es nicht auf die Reihe zu sagen, was Elektromobilität ist.

Elektromobilität ist nicht gleich Elektroauto.

Elektromobilität ist nicht neu.

Deswegen hier mal ein paar Beispiele:

E-Lok (seit 1879, hier ein E 94 von 1968)

ICE2 (1995)

Straßenbahn (in Cottbus seit 1903, hier ein Fahrzeug von 1928)

O-Bus

Hier mal ein Abriss der Geschichte der Elektromobilität:
Erste E-Lok: 1835, erste praktikable: 1879 (Siemens)
erste elektrische Straßenbahn 1881 in (wieder Siemens)
erster OBus: 1882 (nochmal Siemens)

Vielleicht sollte Frau Merkel mal nicht bei der Automobilindustrie nachfragen, wenn sie was über Elektromobilität wissen will…

In dem Sinne: „Straßenbahn Cottbus – Elektromobilität seit 1903

2011-04-21 | Zensus2011 – Welchen Sinn haben die Befragungen?

Welchen Sinn haben die Befragungen von 10% der Bundesbürger im Rahmen des Zensus 2011? Diese Frage habe ich dem statistischen Bundesamt gestellt und folgende Antwort bekommen:

Statistisches Bundesamt
B303-Zensuskommunikation
65180 Wiesbaden
Tel. +49 (0) 611 75-2011
Kontakt: http://www.zensus2011.de/kontakt
Internet: http://www.zensus2011.de

Sehr geehrte Bürgerin,

Ich bin ja nicht verpflichtet, in Kontaktformularen wahrheitsgemäße angaben zu machen, oder? :)

vielen Dank für Ihre Anfrage vom 20. April 2011.

Wir haben großes Verständnis dafür, dass man bei so vielen Ämtern in Deutschland den Eindruck haben könnte, dass die Daten ohne den Zensus 2011 schon alle vorhanden sind. In der Tat ist das auch genau der Grund dafür, dass der Zensus 2011 keine traditionelle Volkszählung ist, bei der alle Menschen befragt, sondern eben vorhandene Verwaltungsdaten genutzt werden.

Es sind also alle Daten schon vorhanden — mal abgesehen davon, dass es ein Unding ist, Daten, die aus gutem Grund getrennt gehalten werden, zusammenzuführen — was sollen also dann die Befragungen?

Es gibt Meldeämter, Standesämter, Katasterämter, Grundbuchämter, Finanzämter usw., aber diese Ämter haben alle die ihnen namensgebenden Aufgaben und führen Daten nicht für statistische Zwecke.

Ich arbeite derzeit selbst in einem Amt. Ämter müssen immer auch statistische zahlen über Ihre Arbeit abliefern. Die fallen bei der erledigung der Arbeit an.

Beispiel Grundsteuer: Nach den Vorgaben des Zensusvorbereitungsgesetz (§10 Abs.2) können die Unterlagen der Grundsteuer dazu herangezogen werden, um die Auskunftspflichtigen der Gebäude- und Wohnungszählung zu bestimmen. Die kommunale Aufgabe des Einzugs der Grundsteuer ist deutschlandweit unterschiedlich organisiert. Im Land Niedersachsen beispielsweise werden üblicherweise Dauerbescheide erstellt, d.h. solange die Grundsteuer regelmäßig bezahlt wird, besteht für die entsprechende Behörde kein Anlass, die Anschrift des Zahlers von Grundsteuer zu aktualisieren. Auf diese Weise können die Grundsteuerstellen mitunter veraltete Anschriften der Eigentümer von Wohnraum aufweisen, was ein Grund für die derzeit stattfindende Vorbefragung zur Gebäude- und Wohnungszählung ist.

Aber das Grundstück wird seine Anschrift nicht ändern und wer in dem gebäude wohnt, weiß das Meldeamt. Außerdem Glückwunsch an das Land Niedersachsen: Solange Ihr eure Grundsteuer bekommt, geht euch der Rest nichts an. Privatssphäre – You’re doin‘ it right.

Am Beispiel der Gebäude- und Wohnungszählung sehen Sie überdies, dass für viele Merkmale, die EU-weit im Jahr 2011 zu erheben sind, keine Registerdaten vorhanden sind. So ist etwa der Bestand an Wohnungen, deren Größe und Ausstattung nicht aus Registern flächendeckend für Deutschland zu gewinnen.

Mal abgesehen davon, das ich das nicht glaube — zu jedem Gebäude existiert in D eine Baugenehmigung und entsprechende Einträge in den Katastern — warum befragt man mich?

Wenn übrigens kein Anlass besteht, die neue Anschrift eines Steuerzahlers zu ändern … warum soll man das also im rahmen des Zensus tun?

Bezogen auf die zentrale Aufgabe des Zensus, exakte kleinräumige amtliche Einwohnerzahlen zu erhalten,

was heißt kleinräumig? Aus den Melderegistern geht doch sehr genau hervor, wer an welcher Adresse wohnt. Noch kleinräumiger geht zu weit in die Privatsphäre.

sind reine Registerauswertungen nicht ausreichend. Ein Zensustest, der von der amtlichen Statistik in den Jahren 2001 bis 2003 durchgeführt wurde, ergab, dass es in Abhängigkeit von der Gemeindegrößenklasse unterschiedlich starke Abweichungen in den Melderegistern gab:
„Gemessen an den Ergebnissen der Haushaltebefragung weisen die unbereinigten Melderegister für die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung im Bundesdurchschnitt eine Karteileichenrate von knapp 4,1% auf. Der durchschnittliche Anteil von Karteileichen bei den im Melderegister gemeldeten Personen streut beträchtlich zwischen den Bundesländern. In den Flächenländern schwankt er zwischen 2,6% (Thüringen und Sachsen) und 4,6% (Hessen), mit Ausnahme von Schleswig-Holstein (6,2%) und dem Saarland5) (7,9%). In den Stadtstaaten liegt die Karteileichenrate zwischen 5,6% (Bremen) und 8,1% (Berlin).“
aus: Wirtschaft und Statistik 8/2004, S. 816, siehe http://www.zensus2011.de/uploads/tx_templavoila/Ergebnisse_des_Zenustests.pdf

Karteileichen .. soso. Und welches Interesse hat jetzt z.B. die Stadt Cottbus daran, diese Karteileichen zu löschen? Cottbus kämpft um den Großstadtstatus (100.000 Einwohner), an dem viel Geld hängt. Seit 1990 sind ca. 30.000 Menschen weggezogen – wenn man jetzt zugeben muss, dass noch 5.000 mehr weggezogen sind, dann verliert man möglicherweise den Status der Großstadt ganz.

Karteileichen kann man aber auch organisiatorisch beikommen: wann immer ein Brief zurückkommt oder jemand nicht angetroffen wird, gibt es einen Hinweis an die Meldebehörde. Die GEZ bekommt das sehr gut hin. Zu gut. Verdächtig gut. Die wussten immer als erste, wenn ich umgezogen war.

Und wieder die Frage, warum befragt man mich? Ich weiß auch nicht, ob mein Vormieter sich ordnungsgemäß abgemeldet hat. Und selbst wenn ich es wüsste, würde ich darüber keine Auskunft erteilen.

Bitte bedenken Sie, dass es bei den amtlichen Einwohnerzahlen nicht nur darauf ankommt, wie viele Einwohner Deutschland insgesamt hat, sondern dass auch die kleinräumige Verteilung sehr genau nachgewiesen werden muss.

Für wen und zu welchen Zwecken? Scheinbar nicht für die Meldeämter und deren Aufgabenerfüllung, denn ..

Für die Einwohnermeldeämter mag ein ordnungsgemäßes Funktionieren auch dann noch gegeben sein, wenn z.B. ein Student bereits in der Stadt seiner Universität wohnt, aber noch bei seinen Eltern gemeldet ist. Wenn dies aber kein Einzelfall ist, dann führt dies dazu, dass eine Stadt statistisch weniger Einwohner hat, als wirklich dort leben, mit all den Folgen für den kommunalen Finanzausgleich. Eine solche Stadt hätte also weniger Steuermittel zur Verfügung, muss aber für mehr Menschen Infrastruktur unterhalten.

Ein typisches Cottbuser Problem, dem die Stadt schon aus Eigeninteresse begegnet. Sie gleicht alle paar Jahre die Mieter von Studentenwerk und den großen Wohnungsbaugesellschaften mit dem Melderegister ab. Auch das halte ich für bedenklich, aber es beweist, dass der Zensus nicht gebraucht wird.

Nebenbei stellt sich die Frage, wie man dem Problem durch den Zensus begegnen kann. Bei den Studierenden mag das noch gehen, denn ALLE Studi-Wohnheimsinsassen werden befragt. Aber wenn ich in einer Stadt nicht gemeldet bin, wie sollen die Volkszähler auf die Idee kommen, mich in dieser Stadt zu besuchen? Sie wissen ja nicht, dass ich dort wohne.

Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten und stehen für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Xxxxxxxxx Xxxxxxxx

Geholfen hat’s noch nicht viel, aber auf das Angebot komme ich gern zurück.

2011-04-01 | neues von 3Sat … verbannt

.. und wieder eine Sendung, die verschwindet. ZDF und 3Sat stellen die Sendung „neues“ ein. Wieder einmal werden wichtige und junge Themen wie Technik, Netzkultur und Netzpolitik abgeschoben. „neues“ war übrigens eine der wenigen Sendung, die auch für „neuartige“ Rundfunkempfangsgeräte verfügbar war, man könnte sie als Videopodcast abonnieren.

Ersatz soll auf ZDFkultur geschaffen werden — einer der vielen digitalen Spartenkanäle, die meiner Auffassung nach genau nur dazu geschaffen wurden: Kritisches, Junges, Kulturelles oder einfach nur Andersartiges aus den Hauptprogrammen von ARD und ZDF zu verbannen, um dort Platz zu schaffen für Donna Leon, Volksmusik und Lobbyisten-Talkshows. Nagut, so weiß ich wenigstens, dass eine alte Schulfreundin bekannte* nicht so schnell arbeitslos wird. (*naja, man hat sich auf dem Schulhof manchmal gesehen).

Jeden Abend läuft auf irgendeinem Sender Schlager oder Volksmusik, an manchem Abend auf fast JEDEM ÖR-Kanal! Wieviele Schlager- und Volksmusiksendungen gibt (oder gab) es eigentlich im deutschen Fernsehen? Musikantenstadl (ARD?),
ZDF-Fernsehgarten, Immer wieder sonntags (ARD), Feste der Volksmusik (ARD), Die Schlager des Jahres (MDR), Sonntagskonzert (ZDF), Musikantenscheune (ARD), Musikantendampfer (ARD), Hitsommernacht (MDR), Lustige Musikanten (ARD) … Ergänzungen gerne in den Kommentaren.

Wird es da nicht langsam Zeit für ZDFschlager und EINSvolksmusik? Dann könnte man vieles gutes aus dem Nachtprogramm und den Spartenkanälen wieder in die Primetime holen.