Archiv für Januar 2010

2010-01-28 | Cottbus weist Bürgerbehren zur Straßenbahn ab

Straßenbahn Cottbus – Elektromobilität seit 1903

Straßenbahn Cottbus – Elektromobilität seit 1903

In ihrer gestrigen Sitzung hat die Cottbuser Stadtverordnetenversammlung (StVV) das Bürgerbegehren der Initiative ProTram abgewiesen. Grund dafür ist ein Rechtsgutachten der Stadt, das belegen soll, dass das Bürgerbegehren formal Fehler enthält.

Die Abweisung ist ein Affront gegen die Cottbuser Bürger, gegen die Kommunalverfasssung und gegen die Demokratie.

Bürgerbegehren und Bürgerentscheid sind plebiszitäre Elemente, also Mittel des einfachen Bürgers, an politischen Entscheidungen teilzunehmen. Die zu strenge Auslegung von Formalitäten konterkariert aber genau diese Zielstellung, dem »kleinen Mann auf der Straße« ein Mittel an die Hand zu geben. Ein Bürgerbegehren, das nur mit einem Team fähiger Anwälte und der Bereitschaft, vor Gericht zu ziehen, durchzuführen ist, ist kein Bürgerbegehren mehr. Vielleicht sollte es dann Anwaltsbegehren heißen.

Als zusätzliche Frechheit schmücken sich nun der Oberbürgermeister Szymanski und die StVV mit den Früchten der Initiative, danken brav und artig den Bürgern für Ihren Einsatz und verteilen daraufhin die Watschn. Das Bürgerbegehren wird abgelehnt. Man begrüßt natürlich jede weitere Initiative. (»Tritt den Fußball, Charlie Brown!«)

Zur Information noch die Begründungen der Ablehnung im Detail:
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2010-01-20 | 27% aller Bewerber googeln ihre Personalchefs

Vorsicht in Sozialen Netzwerken im Internet — insbesondere wenn man im Personalwesen tätig ist. Eine Studie belegt, dass immer mehr Bewerber den Spieß umdrehen und »gut vorbereitet« zum Bewerbungsgespräch gehen. Fotos des Personalchefs von der letzten Weihnachtsfeier vereinfachen die Gehaltsverhandlungen oft sehr.

/irony

2010-01-04 | Return of the Nacktscanner

In der Diskussion um die Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen im Flugverkehr sind jetzt wieder die »Nacktscanner« im Gespräch. Der vereitelte Anschlag auf dem Flug nach Detroit bietet dafür den willkommenen Anlass.

Aber der junge Nigerianer war wohl nicht in einem Al Quaida-Terrorcamp oder er hat beim Thema Sprengstoff nicht aufgepasst — geschlafen, hinter der Tür gestanden, gerade zum Pinkeln draußen gewesen oder so. Hätte er aufmerksam zugehört, dann wüsste er, dass Nitropenta (PETN) in der transportsicheren Form als Plastiksprengstoff nicht ohne Zünder zur Explosion zu bringen ist. Mit purem Nitropenta wäre er wohl schon auf dem Weg zum Flughafen in die Luft geflogen. PETN verhält sich ähnlich wie Nitroglyzerin, ist schlagempfindlich.

Wenn mir jetzt jemand erklären würde, dass das ein vorgetäuschter Anschlag wäre — ich würde ihn nicht für völlig verrückt erklären. Ob er jetzt einen Grund für den Einmarsch im Jemen liefern sollte oder ob die Hersteller von Sicherheitsequipment profitieren wollen, Al-Quaida steht doch eher lächerlich da und andere profitieren. Vielleicht ist der Junge mit seinem terroristischen Übereifer auch einfach ein paar Leuten auf den Sack gegangen. Die haben ihm dann das Zeug in die Hand gedrückt, gesagt »zünde das im Flugzeug an« und sie waren ihn los.

Doch zurück zu den Nacktscannern: Der Spiegel berichtet, dass Experten zufolge die Scanner den Sprengstoff gar nicht gefunden hätten. Aber Abhilfe ist ja unterwegs.

»Wir sind zuversichtlich, dass wir im Sommer Forschungsergebnisse für eine ganz neue Generation von Körperscannern vorstellen können«

verkündet Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Was Forscher sagen und was sie damit meinen übersetzt XKCDfür uns. Gleich Zeile Eins sagt uns, das heißt, das Projekt wird demnächst eingestellt.

Daraus folgt eigentlich nur: »Kauft jetzt unsere Nacktscanner. Sie taugen nichts, aber mit dem nächsten Update wird alles besser. Wenn es denn kommt.« Dass schon 2008 angekündigt wurde, das etwa ab April 2010 solche Scanner an allen europäischen Flughäfen stehen sollen, macht nur zusätzlich stutzig.

Der Attentäter ist übrigens in Amsterdam Schiphol in die Maschine nach Detroit gestiegen. Dort wurden schon länger Nacktscanner eingesetzt. Deren Benutzung war aber für die Passagiere freiwillig. Das wird sich ändern. Dann habt ihr alle wirklich nichts mehr zu verbergen. Da fahr ich doch lieber Bahn.