Archiv für November 2009

2009-11-28 | Snake Oil

Jede Menge Menschen kommen auf meine Seite, weil sie in die Suchmaschine Ihrer Wahl Suchbegriffe wie Snake Oil, Schlangenöl gegen Haarausfall eingegeben haben. Ursache scheint dieser Beitrag vom letzten Jahr zu sein. Darin ging’s um Software-Wundermittelchen, die wie magisch Computer beschleunigen sollen. Für alle diese Leser schreibe ich noch einmal Klartext:

Das englische »Snake Oil« ist ein stehender Begriff für reißerisch vermarktete, wirkungslose, angebliche Wundermittel. Die deutsche Übersetzung hat sich für wirkungslose Wunder-Software eingebürgert, ist also nicht so verbreitet wie das englische Original. Daher wohl der Glaube, dass Schlangenöl irgendwas bewirken könnte.

Schlangenöl gibt es wirklich in der chinesischen Medizin und soll gegen Gelenkerkrankungen helfen. Das kann man glauben oder nicht, wissenschaftliche Untersuchungen dazu scheint es nicht zu geben. Schlangenöl hilft also nicht gegen Haarausfall.

Es gibt verschiedenste Formen von Haarausfall, erblich, hormonell oder Stressbedingt; bei Männern und Frauen. Es gibt auch wirksame Medikamente dagegen, die sollte man sich aber nicht (aus Scham oder warum auch immer) heimlich besorgen und ohne ärztliche Kontrolle einnehmen. Diese Mittel sind oft teuer, werden aber von den Kassen manchmal übernommen, wenn der Leidensdruck groß ist. Finasterid (das bekannte Propecia), Alfatradiol, Estradiol, Minoxidil sind nur einige Wirkstoffe, die bei den verschiedenen Arten von Haarausfall wirklich helfen, aber auch keine Wunder bewirken.

Sprechen Sie mit einem Arzt und suchen sie nicht nach Wundermitteln. Vom Kauf von billigen Medikamenten, die per Spammail beworben werden, ist ohnehin abzuraten. Wer weiß, ob und welche Wirkstoff enthalten ist oder ob man sich damit einfach nur vergiftet. Frei erhältliche Mittel, die per Spammail oder Kleinanzeige alles Mögliche versprechen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nur Geldschneiderei.

2009-11-25 | Cottbus verkauft schonmal die Straßenbahnen

Die Initiative ProTramCottbus hat gerade 11.500 Unterschriften dafür gesammelt, dass die Stadt ein neues Verkehrsgutachten erstellen lässt, in dem die Straßenbahn überhaupt eine Chance bekommt. Die Cottbuser Piratenpartei hat die Initiative dabei tatkräftig unterstützt.

Derweilen verkauft Cottbusverkehr schon mal die Straßenbahnzüge, wie die Märkische Oderzeitung berichtet. Drei Züge der nicht einmal 20 Jahre alten Tatrabahnen gehen an die Schöneiche-Rüdersorfer Straßenbahn. Da können sie nochmal 20 Jahre fahren. Ich vermute, das sind Bahnen, die durch die Stilllegung der Strecken nach Schmellwitz-Anger und Jessener Straße nicht mehr benötigt werden. Dass man damit den Takt auf den anderen Strecken verdichten könnte, kommt natürlich niemandem in den Sinn. Oder will man für Cottbus neue Züge kaufen?

Cottbuser Straßenbahn – Elektromobilität seit 1903.

2009-11-22 | Youtube nervt, Copyright ist Kulturverhinderung

Man will nur mal einen 37 Jahre alten Song im Original hören und womit kommt einem Youtube? Mit diversen Sperrungsnachrichten.

Youtube Sperrnachrichten, hier mal zusammengeschnitten.

Youtube Sperrnachrichten, hier mal zusammengeschnitten.

Es geht um »Popcorn« von Hot Butter (1972) eigentlich ein Remake von Gershon Kingsleys 1968er Song. Viel Spaß beim Suchen, vielleicht findet ihr ja noch mehr nette Copyright-Hinweise. Da sieht man nur wieder, dass Copyright die reine Kulturverhinderung ist und wir auf wichtiges Kulturgut (diese Melodie kennt jeder!) nicht mehr zugreifen können und es womöglich irgendwann vergessen, bloß weil irgendjemand diesen Titel in seinem Rechteportfolio versauern lässt.

Ich rede mit Absicht nicht vom Urheberrecht, denn das Recht eines Urhebers an seinem Werk ist ein unveräußerliches.

2009-11-05 | Schweinegrippepropaganda

Es ist soweit, Deutschland steht am Abgrund. Neun Tote durch Schweinegrippe in Deutschland. Neun! Unfassbar. Nur damit man sich mal eine Vorstellung von dieser Zahl machen kann: Mit Neun Leuten kann man einen VW-Bus füllen! An der Saisonalen Grippe sterben ja nach Schätzung zwischen 4.500 und 20.000 Menschen — an der Influenza und ihren Folgen. Das sind zwischen 500 und 2.222 VW-Bussen.

Vor kurzem noch berichteten die Analog- und Holzmedien (Funk und Fernsehen, Zeitungen), dass die Deutschen sich nicht unbedingt gegen H1N1 impfen lassen wollen — zu wenig getesteter Impfstoff und soooo schlimm ist die Schweinegrippe nun auch nicht. Nur wenig später rollt die Propagandawelle wieder. Neun Tote reichen doch sonst nichtmal für die RTL2-News-Erschreckstory vor den neuesten Prominentenausrutschern – es sei denn, es gibt gute Bilder. Was ist denn nun schon wieder los?

Die Pharmabranche hat das mit dem viralen Marketing einfach falsch verstanden und vermaktet die Grippe. Hier wird uns vor einem Virus Angst gemacht. FUD heißt diese Taktik: Fear, Uncertainty, Doubt (Angst, Unsicherheit, Zweifel). H1N1 ist ja nicht ungefährlich, aber auch kein Grund zur Panik. Hier sollen Regierungen unter Druck gesetzt werden, Medikamentenvorräte anzulegen und die Leute sollen sich impfen lassen. Ohne die Angst würden die Krankenkassen die Impfung nicht bezahlen.

Wenn die Pharmaindustrie ihre Gewinne noch weiter steigern will, muss sie neue Epidemien und Volkskrankheiten promoten. Mit so’nem bisschen MS, Morbus Kron und was weiß ich noch kann man heute doch keine Milliarden mehr verdienen. Die Forschung ist teuer, die Zulassung langwierig und dann gibt es nur wenige Kunden. Die kann man aber nur noch in der Werbung auftreten lassen. Ihre forschenden Pharmaunternehmen.

PS: das Bild zum Artikel stammt von informationisbeautiful.net/ Dort gibt es schöne Grafiken zu den verschiedensten Themen.