Archiv für September 2009

2009-09-30 | Mein Wahlkampfabschluss

Die Bundestagswahl ist vorbei; die Piraten liegen bei 2% bundesweit, 2,5% in Brandenburg, 2,9% im Wahlkreis Spree-Neiße/Cottbus, 3,7% in der Stadt Cottbus und 8,5% in meinem Wahllokal. Damit ist Cottbus eine der Piratenhochburgen in Deutschland. Danke an alle Wahlkämpfer.

Die Lausitzer Rundschau, die einzige regionale Tageszeitung in Cottbus mag den Erfolg noch nicht so recht würdigen. Am Montag berichtete sie lieber die 2,1% der NPD in Cottbus statt der 3,7% für die Piraten. Das ist schade und die LR wird sich über kurz oder lang an die neue politische Kraft gewöhnen müssen.

Blicke ich auf den Wahlkampf zurück, dann sehe ich vor allem viele Gespräche mit interessierten Menschen; ein paar wenige, die gar nichts mit den Piraten anfangen konnten und leider auch ein paar Leute, die lieber Rechts wählen wollten. Ein paar Bilder vom Wahlkampf und der Wahlparty stehen im Piratenwiki.

Jetzt beginnt für uns die politische Arbeit. Jetzt müssen wir beweisen, dass wir nicht nur schöne Versprechungen machen können, dass wir nicht nur Ideale haben, sondern auch anpacken. Ich wünsche uns dafür die nötige Kraft. Der Landesparteitag am 3.Oktober sollte dafür ein guter Auftakt sein.

2009-09-26 | Nazi-Nerds

»Jungle World«– Autorin Elke Wittig verortet die Piraten ganz Rechts. Nun gut, die Piraten erfahren nicht nur Zuspruch, sondern auch einiges an Gegenwind und so mancher vermutet die Piraten da, wo er schon immer seine Gegner gesehen hat. Hinter der »Postideologie« der Piraten, also der Verweigerung gegenüber Links-Rechts-Einordnungen, vermutet sie eine verschleierte braune Gesinnung.

Woher sie nun den Begriff »postideologisch« herhat, kann ich grad nicht nachvollziehen. Der steht nicht im Wahlprogramm, nicht auf der Webseite, nicht im Wiki, selbst im Forum taucht er erst seit kurzer Zeit auf. In zwei Artikeln, von denen sich einer mit dem Kommentar von Frau Wittig beschäftigt und in einem, in dem eine Benutzerin fragt, was dieses »postideologisch« denn nun heißen soll. Aber selbst wenn jemand die Piraten im Forum so genannt hätte, wäre das ja nun kein offizielles Statement. Denn dort steht auf jeder Seite oben in Rot:

Nicht alle Foreneinträge sind politische Aussagen oder Meinungen der Piratenpartei! Dies ist ein öffentliches Forum.

Die Krone setzt sie dem ganzen auf, in dem Sie die Piraten zu »Nazi-Nerds« erklärt. Das ist nach »Pädokriminelle« wohl das Zweitblödeste, dass man den Piraten unterstellen kann. Wer Nerds kennt, weiß, dass Nazi und Nerd etwa so gut zusammen passen wie Riesen und Pony oder minderjährig und Rentner. In Foren und auf Mailinglisten gilt die Erkenntnis: Wenn der Nazivergleich kommt, ist die Diskussion gestorben. Das kann man für den Artikel von Frau Wittig wohl auch so sagen.

Fakeflyer Piraten

Diesen Fake-Flyer kolportiert die Jungle World auch noch. Runenschrift Frakturschrift, Runen, Heil, Junge Freiheit, Bodo Thießen, Kinderporno — alles beisammen und wild zusammengewürfelt, was man den Piraten anlasten kann. So in die rechte Ecke gestellt zu werden, ist schon nicht mehr nur Satire, sondern für mein Empfinden reichlich unterhalb der Gürtellinie. Die meisten anderen Piraten in Brandenburg sehen das etwas entspannter als ich.

Alles in allem scheint die Jungle World einen neuen Lieblingsfeind zu haben. Frei nach dem Motto: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Was kein Apfel ist, ist eine Banane. Steffen Reiche hält uns für Sozialdemokraten, Elke Wittig für Nazis. Nazis halten die Piraten übrigens für Linksextreme. Jeder sieht in den Piraten also in den Piraten eine neue Inkarnation seiner alten Gegner.

PS: Die Ankündigung der britischen TV-Serie IT Crowd auf einem deutschen Fernsehsender betitelt JW mit »Die Computerdeppen«. Man hasst bei der JW die Nerds, wie der Text verrät. Mein Beileid geht an die EDV-Abteilung im Verlag.

2009-09-25 | Wider die Piraten

Vorgestern Nacht haben ein paar selbsternannte Anarchisten die Bundesgeschäftstelle der Piraten in Berlin mit Parolen besprüht. Mal abgesehen, dass eine solche „Heldentat“ bestimmt nicht in einer Reihe mit dem Antifaschistischen Widerstand im dritten Reich oder dem freiwilligen Einsatz im spanischen Bürgerkrieg genannt werden muss … also davon mal abgesehen, fragt man sich, was dass soll.

Ich wage mal den Ansatz einer Erklärung: So wie vielen anderen Bewegungen und Parteien geht den Anarchisten der Arsch auf Grundeis. Sie sehen, wie erfolgreich die Piratenpartei sich ausbreitet. Ich hoffe, die Anarchisten, die solche Aktionen nicht durchführen, verzeihen mir die Verallgemeinerung.

Während die Täter vom Mittwoch in ihrem Bekennerschreiben sich klar gegen die parlamentarische Demokratie aussprechen, stellen sich die Piraten genauso klar als Partei und damit als Teil des Systems dar. Den Anarchisten muss dass natürlich wie ein Verrat vorkommen. Da wird ihnen die Gefolgschaft entzogen und damit alle Hoffnung auf die kommende Weltrevolution — oder was auch immer sie sich erwarten. Ihnen laufen die Leute weg, in eine Richtung in der sich noch etwas bewegen lässt.

böses Guerilla-Marketing

Auch die Art, wie die Piraten Wahlkampf machen, scheint zu missfallen. Bloß weil Sprühschablonen auch schon bei den Werbeagenturen angekommen sind, meinen die Parolen-Frei-Hand-Sprüher, die Piraten wären kommerziell und deswegen verdammenswert. Weil jetzt einige aus ihren Reihen offen mit den Piraten sympathisieren oder sie auf Demonstrationen nicht mehr allein die Aufmerksamkeit kriegen, verhalten sie sich wie bockige Kinder.

Ich halte es für ein verblendetes Weltbild, wenn man meint, den Alleinvertretungsanspruch für Freiheit zu haben und man jedem anderen, der für Freiheit auftritt, Heuchelei unterstellt. Eure Märtyrer-Rolle allein gegen das böse System seht nur ihr. Ihr wollt einen aussichtslosen Kampf führen, damit dieser Kampf nie endet. Bitte tut das. Aber lasst uns den politischen Alltag mitgestalten und verändern.

Feindbilder statt Ziele

Auf diesen geistigen Nährboden entwickelt sich auch das Autos anzünden. Lernt es: die Karren sind versichert und im nächsten Jahr gibt’s ohnehin eine neue. Die Kosten werden auf die restlichen Versicherten verteilt und gut ist. Ihr liefert nur den Law-and-Order-Politikern den Vorwand, unser aller Freiheit zu beschränken und die Piraten müssen Eure Dummheiten dann wegargumentieren. Es ist nicht leicht, jemandem klarzumachen, dass ihr paar Anarcho-Spinner keine Terroristen seid.

Ein paar Worte zur Anarchie: Ich kann mich sehr dafür begeistern, mehr Bereiche herrschaftsfrei zu gestalten. Wir Leben an manchen Stellen im Internet eine Anarchie, von der Ihr nur träumt. Schreibt euch mal auf der Brandenburger Mailingliste der Piraten ein.

Anarchie ist machbar, Herr Nachbar

Nach dem Klick gibt es das vollständige Bekennerschreiben, dass auf IndyMedia leider nicht so einfach abzurufen ist. (mehr …)

2009-09-23 | Schwere Entscheidungen

Jetzt sind alle Mitwohn-Kandidaten durch. Die Entscheidung fällt nicht leicht, zumal ich vier in der engeren Wahl habe — auch noch ausgeglichen Frauen und Männer. Gibt man den Jüngeren eine Chance oder nimmt man die WG-Erfahrenen? Mann oder Frau? War der letzte Kandidat der Beste oder hat man den nur noch am Besten in Erinnerung? Bevorzugt man die Damen unterbewusst? Ost? West? Egal? Berliner bevorzugt? Oder doch jemand aus der Ferne?

2009-09-22 | WG-Zimmer in Cottbus sehr gefragt

Da gibt mal kurz eine Anzeige auf einer Internetplattform auf, um ein eher kleines WG-Zimmer an den Mann bzw. die Frau zu bringen — und schon wird man quasi überrannt.

Der erste Anruf kam eine Minute nach dem OK- Klicken. Viele weitere sollten folgen. Heute Mittag habe ich die Anzeige zurückgezogen, weil die Anrufe nicht mehr auhörten. Ein paar SMS und Emails erreichten mich auch. Jetzt habe ich die ersten Besuche von Interessenten hinter mir und kann sagen: F. und A. dürfen sich berechtigte Hoffnungen machen, für S. und V. seh‘ ich schwarz. Auf L. bin ich gespannt, da der Emailkontakt doch sehr anregend war.