Archiv für Juli 2008

2008-07-26 | Erinnerungen an die EHS

Wie ich ja schonmal geschrieben hab, zieht die Informatik ins modernisierte Hauptgebäude und gibt die angemieteten Räume in der Ewald- Haase- Straße ab. Anlass genug, dass sich alle nochmal treffen und gemeinsam Grillen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Beim Abschiedsgrillen in der EHS hab ich ein paar Fotos gemacht. Hier sind sie nun:

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2008-07-24 | Cottbus setzt zur Kommunalwahl wieder auf Wahlcomputer

WikiCommons: Wahlcomputer

Scheinbar wird man in Cottbus nicht schlau: auch zur kommenden Kommunalwahl am 28. September setzt man seitens der Wahlleitung auf Wahlcomputer der Niederlänischen Firma NEDAP.

Die lokale Presse zitiert den Ordnungsdezernenten lieber so, als wären die grauen Kisten ein Segen für die Wähler – Hurra, die Genehmigung aus Potsdam ist da, Cottbus darf mit Computern wählen. Auch bei LTV darf Cottbus mit Computern wählen. Will es denn auch?

Wahlcomputer machen die Wahl intransparent und fälschbar, denn niemand kann sicher sein, dass der Computer die Stimmen so zählt, wie sie von den Wählern eingegeben wurden. Wegen Sicherheitsbedenken hatte die Stadtverordneten den Kauf der Kisten gestoppt.

Angeblich haben sich schon 600 Wahlhelfer, 400 davon aus der Verwaltung, gemeldet. Ob die Stadtangestellten nicht doch eher verpflichtet wurden? LTV berichtete noch am Dienstag, dass noch 620 Wahlhelfer gebraucht werden, deswegen:

Hacker zu Wahlhelfern!
Wahlhelfer können sich unter 0355/612 33 05 oder per Email an andreas.pohle@neumarkt.cottbus.de melden.

So kann man verhindern, dass die kassenzettelartigen Wahlergebnisse aus den NEDAP- Maschinen die Bestätigung durch eine menschlichen Unterschrift bekommen. Wenn ein Wahlhelfer sagt, ich trau der Maschine nicht, hat das vielleicht etwas mehr Gewicht.

Die Aktion „Casting – Diesmal bist DU die Jury!“, die Erstwähler werben soll, erwähnt die Wahlcomputer nicht, sondern spricht von Stimmzetteln. Ist ja auch klar, sonst hätte man in der FAQ auf die Frage „Was passiert mit meiner Stimme?“ mit „Wissen wir auch nicht so genau.“ antworten müssen.

weitere Links:
Informationen des ChaosComputerClubs zu Wahlcomputern
Meldung vom 29.01.2007: Cottbus verabschiedet sich von Wahlcomputern

2008-07-21 | Die können das doch gar nicht richtig!

eine Beobachtung, die ich schon seit einer Weile mache ist folgende: Wenn die Technik etwas einfacher macht, beschweren sich die Experten, dass die Anwender eigentlich gar nichts können und trotzdem eine Ergebnis haben dürfen.

Zu Zeiten von seriellen Terminals, als die Kommandozeile die einzige Art von Benutzerinterface war, war das Bedienen eines Computers eine echte Herausforderung. So mancher verbrachte Tage und Wochen mit dem Studium von Handbüchern – plötzlich kommen da die Macs und Windowskisten, selbst in Linux halten KDE und Gnome Einzug und geben dem ungelernten Benutzer eine Möglichkeit an die Hand, den Rechner mit draufschauen und mal hier mal da klicken zu erkunden, zu erlernen und zu bedienen. Nutzloser Klicki- Bunti- Kram heißt es dann – „Die können doch nicht wirklich einen Computer bedienen!“

Fotografen mussten früher sorgsam überlegen, welche Blende, Belichtungszeit usw. sie wählen und jeder Druck auf den Auslöser war wohlüberlegt, denn Film und Entwicklung waren teuer. Im Zeitalter der Digitalkameras drücken Amateure hunderte Male auf den Auslöser, die Automatiken der Kameras liefern ein Ergebnis, das zumindest dem eines mittelmäßig begabten Fotografen entspricht. Prompt kommt von den Inhabern des Wissensmonopols der Ausruf „Ha, das ist doch keine Kunst, so kann ja jeder. Die können doch nicht richtig fotografieren!“

und so gibt es noch viele Beispiele:

„Pah, Automatik – die  können ja nicht richtig Auto fahren!“

„Ach Fahrrad – die können nur nicht richtig reiten!“

„Telefon – die können nur nicht richtig morsen!“

Irgendwie ist der Mensch so angelegt, dass er allergisch reagiert, wenn sein Wissen ihm Anderen gegenüber keinen Vorteil mehr bringt. So wird sich wohl jede Entwicklung, die Laien den Zugang zu einer Technik ermöglicht, der selben Kritik ausgesetzt sehen.

Was wird der nächste große Aufreger unter Experten sein? Vielleicht die Podcast- Maschine? Einfach reinsprechen, ein paar Aufhübschungen wie Jingles, Äh- Unterdrücker und Musik wählen, Okay drücken – fertig ist der Podcast. plötzlich machen 100- tausende einen Podcast und allerorten heißt es „die können ja nicht richtig podcasten!“

2008-07-18 | Cottbus feiert Abschied und die Geschmacklosigkeit

Von zwei Anlässen zum Trauern und Feiern kann ich heut berichten:

Die Uni gibt das angemietete Gebäude in der Ewald- Haase- Straße auf. Das klingt zuerst unspektakulär, ist aber ein herber Einschnitt im Leben so manchen Studentens und Mitarbeiters. So ca. 1995 wurden die Räume in der EHS angemietet, um für ein oder zwei Jahre die Informatik unterzubringen. Nun, dreizehn (13) Jahre später, ist endgültig das Ende der letzten Campus- Exklave genaht. Mit einem kleinen Grillen verabschieden sich Professoren, Mitarbeiter, Studenten und Ehemalige von den liebgewonnenen Räumlichkeiten. Man zieht ins sanierte Hauptgebäude – in Büros, die aufgrund ihrer Aufteilung jetzt schon den Spitznamen „Bowlingbahn“ verdienen. Ich sag nur 2x8m – was sich Architekten so ausdenken.

Apropos

Auf dem Heimweg zog noch Musik von Lehrgebäude 2c/d meine Aufmerksamkeit auf sich. Auf der dortigen Trashparty feiert sich die Cottbuser- Architektur- Studierendenschaft. Geschmacksverwirrungen aller Art waren wohl das Motto, obwohl man doch eher das stille Eingeständnis der eigenen Mode- und Musiksünden feierte. Kleidung der vergangener Jahrzehnte und Technopop machen eben doch Spaß, wenn man weiß, dass man damit nicht allein steht.

2008-07-16 | intel Atom – ein ungeliebtes Kind?

wie golem.de berichtet, macht intel- Chef Otellini den intel Atom madig. Der ist ja nun bekanntlich der Prozesor der Wahl für unsere Netbooks und wird in Massen verbaut. Otellini wird zitiert, Er würde ihn nicht benutzen wollen und ernsthafte Anwendungen wären damit sowieso nicht möglich.

Woher kommt eine solche Einstellung? Der oberste Verteidiger der intel- Produkte schätzt einen Verkaufsschlager seines Unternehmens gering? Das lässt auf Probleme mit dem Produkt schließen. Die Testkapazitäten reichen nicht aus – das gibt er zu.

Aber ich glaube, es gibt da mehr. Möglicherweise ist die Ausbeute nicht hoch genug, so dass intel wenig oder gar nicht am Atom verdient.

Viel wahrscheinlicher ist, dass der Atom eine zu starke Konkurrenz zu Produkten aus dem eigenen Haus ist. 90% der Notebook- Käufer brauchen nicht wirklich mehrere Kerne und TerraFlop auf dem Schreibtisch. Der intel- Chef verkennt, dass die „ernsthaften Anwendungen“ für 90% der Nutzer Mail, Web, Office und Chat sind. Dafür reichen Prozessoren der letzten und vorletzten Generation. Wer macht denn schon Bildbearbeitung ernsthaft? Für die paar roten Augen reicht der Atom, schließlich haben wir schon vor 10 Jahren auf 233MHz- PII professionelle Bildbearbeitung gemacht.

Der intel Atom führt den Benutzern vor Augen, dass die Rechenleistung moderner Systeme mehr als ausreicht und die Killerapplikation für 4 Kerne @ 3GHz (noch) nicht existiert. Windows Vista und HD- Filme haben da ja einen Anfang gemacht, aber die Notwendigkeit sehen erst Wenige ein.

Wenn intel diesen Markt nicht will, wird sich VIA freuen, obwohl ich erstaunt bin, dass noch nicht mehr Produkte mit dem neuen VIA nano- Prozessor angekündigt sind.

Man könnte den Atom, die Netbooks und Nettops als das Wii- Prinzip für Computer verstehen. Auf Höchstleistung ist gepfiffen, solange es das tut, was es soll. Die Wii macht Spaß und mein Netbook ist mobil.